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muscon Talk

Aktualisiert: Mai 4

muscon sprach mit Lucas Bitschnau, Geschäftsführer der Kammgarn Hard und selbst Composer, Drummer und Producer, über seine Tätigkeiten, das Zusammenspiel vom Veranstalter- und Künstlerdasein und seine Sicht auf die momentane Situation.

Lucas, du bist unter anderem als Geschäftsführer der Kammgarn Hard bekannt. Gab es ein konkretes Ereignis, das dazu geführt hat, dass du nicht nur als Musiker, sondern auch als Veranstalter aktiv tätig wurdest?


Nicht wirklich, als Musiker habe ich mich meistens im Hintergrund um die organisatorischen Belange meiner Bands gekümmert und so hat der administrative Bereich über die Jahre immer mehr an Bedeutung gewonnen. Management Tätigkeiten machen mir auch genauso Spaß wie die Musik selbst, deshalb sehe ich diese auch nicht als lästige Pflicht, sondern als ein willkommener Ausgleich zum kreativen Prozess. Wichtig ist, dass die Mischung stimmt und schlussendlich für beides gleichermaßen Zeit bleibt.


Wie oben erwähnt, schlagen in deiner Brust zwei Herzen. Du bist Musiker, kennst aber als Geschäftsführer der Kammgarn Hard sozusagen auch die „andere“ Seite. Inwiefern beeinflusst das eine Dasein das Andere?


Im Endeffekt haben sowohl Musiker*innen als auch Konzert Veranstalter*innen dasselbe Ziel: tolle und unvergessliche Konzertmomente. Da ist es sicher kein Nachteil, wenn man beide Seiten kennt und sich als Veranstalter in inhaltlichen, technischen und vor allem auch wirtschaftlichen Fragen in die Lage der Künstler*innen versetzen kann. In Punkto Künstlerbetreuung ist die Kammgarn, unabhängig von meiner Person, seit jeher ganz vorne dabei. Von der technischen Ausstattung über faire Gagenzahlungen bis zum frisch gekochten Bio-Catering wird hier alles unternommen um perfekte Auftrittsbedingungen zu schaffen.


Was denkst du können Künstler*innen von Veranstaltern*innen und vice versa lernen?


Ausnahmen bestätigen wohl die Regel, bei manchen Künstler*innen fehlt vielleicht ein wenig die Selbstorganisation. Auch wenn es dem Image des „kreativen Geistes“ ein wenig widerspricht, muss jedem klar sein, dass es schlussendlich ums Geschäft geht und die finanziellen Mittel vor allem bei kleineren Kulturinstitutionen stark begrenzt sind.

Auf der anderen Seite wäre es schön, wenn manche Veranstalter*innen auch regionalen Künstler*innen größere Wertschätzung entgegenbringen würden. Nicht zuletzt sorgen gerade die heimischen Musiker*innen oft für volle Häuser! Diese verdienen im Gegenzug auch faire Bezahlung und freuen sich wenn’s vor dem Gig mal was anderes als Schinken-Käse-Toast zu Essen gibt.


Neben deiner Tätigkeit als Musiker, Sound-Designer und Producer komponierst du auch Filmmusik (anm. d. Red. Nominierung „Wiener Filmmusikpreis“ 2017). Wie kann man sich den Schaffungsprozess bis zur fertigen Filmmusik vorstellen?


Grundsätzlich ist die Filmvertonung für mich das krasse Gegenteil und der schönste Ausgleich zur organisatorischen Arbeit. Ganz egal ob Story oder ein kurzer Image Film. Das Wichtigste ist, dass man sich als Person selbst komplett ausklammert und voll und ganz in die Welt des bewegten Bildes eintaucht. In der Praxis beginnt bei mir alles mit dem erfühlen des richtigen Tempos, quasi einem begleitenden Puls. Meistens ist dann auch schon eine Melodie im Kopf und eine vage Idee von der passenden Stilrichtung und Instrumentierung. Wenn dann so eine Art Guide Track fertig ist, versuche ich die Musik subtil der Dramaturgie anzupassen. Produziert wird hauptsächlich am Computer, optimaler Weise ergänzt durch diverse Live-Recordings der Lead Instrumente, welche dann auch bei kleinen Budgets für mehr Authentizität sorgen. Alles unter dem Motto „Weniger ist mehr“. Viel zu oft wird bei jeder Naturaufnahme gleich ein überdimensioniertes „Herr der Ringe Orchester“ ausgepackt.


Nach einem Jahr der Pandemie, welches Resümee ziehst du als Musiker und Veranstalter aus dieser neuen Situation?


Die Erfahrungen als Musiker waren im letzten Jahr sehr überschaubar. Ich glaube ich hatte nur zwei Live Auftritte und auch im Studiobereich waren es 2020 schlussendlich doch merklich weniger Aufträge als im Jahr davor. Als Veranstalter weiß ich jetzt wie man über 40 Veranstaltungen an einem Tag absagt und auch im Ausfüllen von Formularen bin ich mittlerweile sehr gut. Klar kann man der Situation auch etwas Positives abgewinnen. So befinden wir uns derzeit in einer Art nicht aufzuhören wollender Trouble-Shooting Situation, welche laufend Flexibilität erfordert und für Distanz zur Komfortzone sorgt. Daraus sind im letzten Jahr überall unglaublich viele tolle und kreative Ersatzkonzepte entstanden, welche zum Teil auch nach der Pandemie noch Bestand haben werden. Die wichtigste Erkenntnis bleibt für mich trotzdem die, dass Livemusik ohne die physische Anwesenheit von Publikum auf Dauer nicht funktioniert. Das Publikum braucht die räumliche Verbindung zu den Künstler*innen und umgekehrt.




Photo © REH


Hinweis: Der Inhalt dieses Blogposts / Gastkommentars / Interviews muss nicht die Meinung des Kulturverein muscon widerspiegeln.